Grußwort zum neuen Jahr

Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger,

Mahatma Gandhi hat einmal gesagt: „Es gibt Wichtigeres im Leben, als beständig dessen Geschwindigkeit zu erhöhen.“ Dieses Zitat mag weniger als Mahnung, denn mehr als Anregung zum Nachdenken verstanden werden. Denn: Durch vielfache empirische Studien haben Zeitforscher über die vergangenen Jahrzehnte bewiesen, dass unser subjektives Gefühl, das Leben werde immer schneller, stimmt. Dieser Prozess scheint unumkehrbar zu sein. Dieses hat auch einen Grund. Der wichtigste Zusammenhang besteht zwischen Lebenstempo und Wirtschaftskraft eines Landes. In Ländern mit hohem Pro-Kopf-Einkommen und hoher Kaufkraft findet man immer auch eine hohe Lebensgeschwindigkeit vor.

Es geht um Produktivität, es darf keine Zeit verschwendet werden, denn „Zeit ist Geld“. Es ist ein Kreislauf. Schnelle Orte werden wohlhabender – und wohlhabende Orte werden schneller. Auch Ibbenbüren gehört nach wie vor, wie die ganze Region, zu den prosperierenden Orten, in denen die Wirtschaft und der Wohlstand nach wie vor wächst, insoweit auch die Lebensgeschwindigkeit zunimmt.

Das ist eine Beschreibung eines Zustandes – ohne Wertung. Oft hört man, man müsste einfach nur aus diesem Hamsterrad aussteigen und gleich werde alles besser; dieses trifft – auch belegt durch empirische Studien – nicht zu. Man nimmt gemeinhin an, dass Menschen, die an langsamen Orten leben, am glücklichsten sind. Aber alle Studien ergeben, dass es genau umgekehrt ist: Je schneller der Ort, desto glücklicher sind die Menschen, die dort leben. Das hängt wiederum mit dem Wohlstand zusammen; schnelle Orte sind wohlhabender und wirtschaftlicher Wohlstand ist ein wichtiger Faktor für die individuelle Zufriedenheit der Menschen.

Es geht also nicht darum, o b wir in einer schnellen Welt leben, sondern w i e wir in dieser schnellen Welt leben. Es ist keine Entweder-oder-Entscheidung. Wir müssen Wege finden, zwischen schnellem und langsamem Tempo zu wechseln. Jeder muss seinen Rhythmus zwischen Anspannung und Entspannung finden. Jeder muss seinen Moment finden, auch mal inne zu halten, Revue passieren zu lassen und die Zeit, die man hat, intensiver als sonst zu genießen.

Das Innehalten, das Besinnen, das Überlegen und Prüfen gilt aber nicht nur für den Einzelnen, es gilt auch für komplexe Strukturen wie Firmen und Verwaltungen – auch für die Stadtverwaltung Ibbenbüren und für eine Stadtgesellschaft. Denn es ist wichtig, um prüfen zu können, ob angesichts der Vielzahl der täglichen Entscheidungen, die getroffen werden müssen, der Weg noch stimmt, die Richtung noch die richtige ist oder ob an der einen oder anderen Stelle nachgesteuert werden muss.

Auf diesen Prozess haben wir uns in ersten beispielhaften Handlungsfeldern bereits eingelassen und wichtige Impulse gesetzt. Die neu gegründeten Stadtwerke Tecklenburger Land, die zum 1. Januar 2016 die Strom- und Gasnetze in unserer Region übernehmen werden, oder die „Guten Aussichten“, die wir gemeinsam mit der Region im laufenden Prozess der Kohlekonversion entwickelt haben, sind ganz wichtige Impulse für eine Stärkung der interkommunalen Zusammenarbeit, die die Region dringend benötigt.

Wir müssen aber auch lokal Leitlinien für unser Handeln, für die Leistungen, die die Stadt zukünftig erbringen soll, für die weitere Entwicklung der Stadt und der Stadtgesellschaft definieren. Die Aufgaben werden komplexer, der Einsatz von Technik wandelt ganze Berufsfelder, der Mitteleinsatz muss sparsamer werden, der demografische Wandel geht auch an Ibbenbüren nicht spurlos vorbei. Ziele müssen in vielen Handlungsfeldern neu definiert, Strategien entwickelt werden. Dieses werden die vorrangigen Aufgaben des Jahres 2016 werden.

Ich freue mich, dieses mit Ihnen gemeinsam tun zu dürfen. Ich wünschen Ihnen ein gutes und erfolgreiches Jahr 2016!

Ihr Dr. Marc Schrameyer
(Bürgermeister)

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