Einige Gedanken zum neuen Jahr

Liebe Ibbenbürenerinnen, liebe Ibbenbürener,

es war reiner Zufall, dass mir vor einigen Tagen ein kleiner Band mit Reden, Aufsätzen und Predigten von Martin Luther King in die Hände fiel, den ich schon vor vielen Jahren gelesen hatte. Unter dem Titel „Friede auf Erden“ findet sich eine bemerkenswerte Weihnachtspredigt Kings aus dem Jahre 1967, aus der ich gerne kurz zitieren möchte:

„Wir haben weder Frieden in uns noch Frieden um uns. (…) Unsere Welt ist krank an Krieg. Wohin wir uns immer wenden, sehen wir seine verhängnisvollen Möglichkeiten. Und doch, meine Freunde, kann die Weihnachtshoffnung auf Frieden und guten Willen unter allen Menschen nicht länger als eine Art frommer Traum von einigen Schwärmern abgetan werden. (…) Wenn wir also voraussetzen, dass das Leben lebenswert ist, wenn wir voraussetzen, dass die Menschheit ein Recht darauf hat zu überleben, dann müssen wir eine Alternative zum Krieg finden – so lasst uns denn an diesem Morgen die Bedingungen für den Frieden erforschen. Lasst uns an diesem Morgen aufs neue über die Bedeutung jener Weihnachtshoffnung nachdenken: ,Friede auf Erden den Menschen, die guten Willens sind.’“

Eben jenes sollten wir gemeinsam tun. Jeden Morgen und jeden Tag. Immer wieder. Frieden ist die Grundbedingung für jede Entwicklung. Wir Europäer wissen, wie sich Frieden anfühlt. Wir Europäer können auf die längste Zeit des Friedens in Europa zurück blicken. 71 Jahre währt nun dieser schon. Und wir wissen, welche Bedingungen notwendig sind, um Frieden zu bewahren.

Ohne den Marshall-Plan, der dafür sorgte, dass die vom Krieg geschundene Bevölkerung in Deutschland und Europa versorgt wurde und die Möglichkeit zum wirtschaftlichen Wiederaufbau bekam, wären weitere Millionen Deutsche und Europäer zur Flucht gezwungen worden. Es war eine weise Entscheidung der Alliierten, unbürokratisch zu helfen, trotz allem, was vorgefallen war. Es war eine Entscheidung für eine Entwicklung, die Frieden sichern sollte. Und es war die Bereitschaft der Europäer, mit uns den Weg in die Europäische Union zu gehen.

Es ist heute an uns, die Ursachen von Flucht und Vertreibung zu bekämpfen. Seien wir doch mal ehrlich mit uns. Wer von uns würde nicht aus Syrien, Afghanistan, dem Irak oder den vielen anderen Kriegsgebieten auf der Erde fliehen wollen, wenn dort Gefahr für Leib und Leben droht, wenn dort die tägliche Versorgung mit Nahrungsmitteln oder Wasser nicht mehr gesichert wäre? Wer würde nicht für seine Familie Schutz und Versorgung suchen? Es ist an uns, die Voraussetzungen für ein lebenswertes Leben zu schaffen und nicht die Grenzen zu sichern, um diejenigen, die Schutz bei uns zu Recht suchen, an der Türe abzuweisen. Wir müssen zusammenrücken als Gemeinschaft derer, die die Mitmenschlichkeit verteidigen.

All denjenigen, die auch im vergangenen Jahr unermüdlich geholfen haben, diese Botschaft der Mitmenschlichkeit weiter zu tragen, sage ich ausdrücklich Danke. Gemeinsam als Stadtgesellschaft kümmern wir uns in Ibbenbüren um unsere Gäste und wir erleben sie als Bereicherung. Jeden Tag. Das Flüchtlingsfest im September war ein schönes Beispiel für dieses gelebte Miteinander.

2016 war für Ibbenbüren ein spannendes, ein wichtiges, ein gutes Jahr. Zum Beispiel: Im Mai wurde der erste Planungsschritt für die Nachnutzung der Bergbauflächen – die Potenzialanalyse – abgeschlossen. NRW-Wirtschaftsminister Garrelt Duin lud die Bürgermeister der Kohleregion Ibbenbüren in die Landeshauptstadt ein, um den Abschlussbericht persönlich entgegenzunehmen. Der Abschluss dieser Phase war gleichzeitig der Auftakt der nächsten Etappe: Die Potenzialanalyse bildet den Dreh- und Angelpunkt für die weitere Ausgestaltung des Strukturwandels und auch die Grundlage für die weitere Landesförderung, die sich 2017 nahtlos anschließen wird. In diesem Zusammenhang wird Mitte Januar Wirtschaftsminister Duin Ibbenbüren besuchen, um den neuen Förderbescheid eigenhändig zu überreichen. Mit Beginn der nächsten Förderphase Anfang 2017 wird die Kohleregion Ibbenbüren den Masterplan für die Entwicklung der Zechenstandorte mit einem städtebaulichen Wettbewerb starten. Wir haben „Gute Aussichten“.

Hierzu gehört auch, dass wir die Entwicklung der Ibbenbürener Gewerbegebiete kontinuierlich vorantreiben. Denn hier entstehen die Arbeitsplätze von morgen. 2016 hat die städtische Wirtschaftsförderung 79.000 Quadratmeter an Gewerbeflächen veräußert. Mit diesen Zahlen können wir uns mit den großen Städten im Ruhrgebiet wie etwa Essen messen. Jede Neuansiedlung oder Erweiterung bedeutet: Die Wirtschaft wächst. Die Arbeitslosigkeit ist eine der niedrigsten bundesweit und es entstehen fortlaufend neue Jobs.

Gut steht Ibbenbüren ebenso da, wenn es um die Belange von Kindern und Jugendlichen geht. Sogar so gut, dass wir die kinder- und jugendgerechte Kommune zu einem Schwerpunkt für 2017 machen werden, um diesem Thema noch mehr Gehör zu verschaffen. Einige Schlaglichter in Sachen Kinder und Jugendliche: In Ibbenbüren bestimmen Kinder zum Beispiel über die Neugestaltung von Spielplätzen mit; sie bringen sich und ihre Ideen vorbildlich konstruktiv in Planungsprozesse ein. Zahlreiche Jungen und Mädchen sind in den Kinderparlamenten unserer Grundschulen engagiert und leben Demokratie an der Basis. In den Neubau der Gesamtschule Ibbenbüren investiert die Stadt mehr als zehn Millionen Euro. Und über das Landesprogramm „Gute Schule 2020“ werden wir innerhalb der nächsten vier Jahre nicht weniger als 4,3 Millionen Euro in unsere Schulen investieren. All dies leisten und fördern wir, weil uns unserer Kinder und Jugendlichen – und ihre gute Bildung – wichtig sind.

In diesem Sinne: Lassen Sie uns das, was kommt, mit Zuversicht und Tatkraft angehen! Ich wünsche Ihnen allen ein gutes Jahr 2017! Glück auf!

Dr. Marc Schrameyer
Bürgermeister Ibbenbüren

(Grußwort für die Ibbenbürener Volkszeitung zum neuen Jahr am 31.12..2016)

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