Eine kleine Geschichte vom Wert des Haareschneidens

Ende März war es. Da schossen die Verkäufe an Haarschneidemaschinen wie auch deren Preise bei bekannten Onlinehändlern in nie dagewesene Höhen. Ebenso stiegen die Verkäufe anderer Körperpflegeprodukte massiv an. Der Grund: Die von uns sonst so sehr geschätzten Dienstleistungen unserer Friseure waren aufgrund des Corona Virus plötzlich nicht mehr möglich. Diese Selbstverständlichkeit, der Gang zum Friseur, wenn die Haare mal wieder zu lang sind, war uns verwehrt. Aber nicht nur das. Alle möglichen Dienstleistungen, die uns lieb und teuer sind, waren plötzlich nicht mehr möglich. Andere Dienstleistungen wurden dagegen als systemrelevant eingestuft und genossen plötzlich eine Anerkennung, die ebenfalls so noch nie da gewesen war.

Der Wert der Dienstleistung

Es waren sicherlich diese besonderen Tage im März und April, die uns allen die Augen geöffnet und die uns nachdenklich gemacht haben. Erst durch den Lockdown hatte man plötzlich das Gefühl, all diejenigen, die für uns tagtäglich in den Dienstleistungsberufen arbeiten und die unter teils schwersten Bedingungen – auch während der Corona-Krise für uns da waren – zu sehen. Sie rückten in den Fokus der Medien. Sie waren eine Nachricht wert. Dabei ist der Dienstleistungsektor eigentlich immer eine Nachricht wert. Er ist der wirtschaftlich bedeutendste: Er erwirtschaftet 69 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (Wert aller Waren und Dienstleistungen, die in einem Jahr in Deutschland erwirtschaftet werden) und schafft fast drei Viertel aller Arbeitsplätze. Gut 80 Prozent aller Unternehmen in Deutschland sind Dienstleistungsunternehmen. Die größten Dienstleistungsbranchen, gemessen an der Bruttowertschöpfung sowie am Anteil der Erwerbstätigen, stellen die öffentlichen Dienstleistungen, Immobiliendienstleistungen und Unternehmensdienstleistungen sowie der Handel dar.

Und in Ibbenbüren?

Sieht es nicht viel anders aus! Ibbenbüren ist noch vergleichsweise stark von der Industrie geprägt. Von den rund 20.000 sozialversicherungspflichtig Beschäftigten arbeiten rund 7.000 Beschäftigte (36 %) in Industrieunternehmen, 13.000 Menschen (64 %) sind aber auch bei uns heute schon im Dienstleistungssektor beschäftigt. Dazu kommen in allen Sektoren die selbstständigen Erwerbstätigen, die im Kreis Steinfurt insgesamt rund ein Drittel aller Arbeitsplätze besetzen. Und gerade auch bei uns entwickelt sich die Beschäftigung in den Dienstleistungsbereichen sehr dynamisch. Während die Gesamtbeschäftigung von 2008 bis 2014 um 9,5 Prozent gestiegen ist, hat sie im Dienstleistungssektor um 13,3 Prozent zugenommen.

Wirtschaftsfaktor Dienstleister

Der Dienstleistungssektor ist heute auch in Ibbenbüren ein ganz wesentlicher Wirtschaftsfaktor, den es – genauso wie Handwerk und Industrie – zu stärken gilt. So ist es mein Ziel, zukünftig auch Flächen für die Ansiedlung von Dienstleistern ausweisen, um deren Entwicklung zu stärken. Denn: Wir erleben immer stärker, dass es gerade auch Dienstleistern immer schwerer fällt, geeignete Räumlichkeiten für ihren Betrieb zu finden. Ibbenbüren ist als Mittelzentrum auch Dienstleistungszentrum für die Region und diese Entwicklung will ich stärken, da sie gute Arbeitsplätze sichert.

Startchancen für junge Unternehmen verbessern

Auf der Agenda steht aber auch die Einrichtung eines Gründer- und Innovationszentrums, damit junge Unternehmen und start ups die Chance bekommen sich zu entwickeln. Wenn eine gute Unternehmensidee geboren ist, heißt das noch lange nicht, dass der Gründer damit auch Erfolg haben wird. Entscheidend sind oftmals die Startbedingungen, die er vorfindet. Gibt es kostengünstige oder sogar kostenfreie Mieträume? Gibt es finanzielle Unterstützungen? Gibt es Service, Netzwerke und Beratung? Hat er insoweit die Zeit und die Mittel, um die Idee marktreif zu entwickeln?

Räume für Ideen

Genau diese besonderen Startbedingungen werden wir mit einem Gründer- und Innovationszentrum schaffen. Die ehemaligen Bergwerksgebäude und -hallen bieten dafür räumlich hervorragende Voraussetzungen. Und mit den Stadtwerken Tecklenburger Land sowie zukünftig der Batteriezellenforschungseinrichtung und den Einrichtungen der FH Münster sowie der Universität Münster findet man am Standort genau die Startbedingungen vor, die junge Unternehmer benötigen, um innovative Ideen zu entwickeln. Ein Gründerstipendium soll die wirtschaftliche Absicherung bieten.

So wie ich das sehe, haben wir viele Chancen, die es zu nutzen gilt. Bill Gates hat in der Garage angefangen, andere bei Muttern am Küchentisch oder im heimischen Keller. Die Gesichten der Gründer sind vielfältig und teils unglaublich. Ebenso ihre Geschichten von Erfolg und Niederlage, vom Wiederaufstehen und Weitermachen. Und die wirtschaftlichen Potentiale, die in der einen oder anderen Unternehmensidee stecken können, sind gerade in der heutigen Zeit teils unglaublich. Deswegen lohnt es sich, in optimale Startchancen zu investieren.

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